Suche / Archiv


Erweiterte Suche

18. Jahrgang Heft 3 Juni 2009

Editorial
H. W. Doerr und J. Cinatl, Frankfurt/Main


Übersichten
Manfred Rotter, Wien*

Staphylococcus aureus gehört zu den häufigsten Infektionserregern und eine Antibiotika-Therapie von Infektionen durch Methicillin-resistente Stämme (MRSA) kann sich problematisch gestalten. Heute werden derartige Stämme nicht nur im Krankenhaus gefunden, sondern können auch „community-acquired“ sein (CA-MRSA). Unter diesen wird ein spezieller Typ, der sogenannte „USA 300“-Klon, der hauptsächlich schwer zu behandelnde Haut- und Weichgewebe-, aber auch invasive Infektionen verursacht, wegen seiner Fähigkeit zur raschen Verbreitung als besonders gefährlich betrachtet. Dieser Klon wurde neuerdings auch in Europa gefunden. Da der Gebrauch von Antibiotika eher zur Selektion als zur Eradikation solcher Stämme führt, ist die strenge Einhaltung von Hygienemaßnahmen von größter Wichtigkeit – nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch an bestimmten Orten in der Öffentlichkeit wie Altersheimen, Sport- und Fitnessclubs, Saunen und Kasernen. Diese Maßnahmen beinhalten Kontaktisolierung von Infizierten, Sanierung von Keimträgern, Händedesinfektion mit alkoholischen Antiseptika, Wäschedesinfektion und Flächendesinfektion in der Umgebung von betroffenen Personen, Vermeidung der gemeinsamen Verwendung von Handtüchern und des Tausches von Leibchen am Sportplatz. Die folgenden chemischen Substanzen sind gut wirksam gegen Staphylokokken: Aldehyde, kurzkettige aliphatische Alkohole, (Bis-)Biguanide, Peroxide, Phenole, quateräre und ampholytische Tenside sowie Triclosan.

Schlüsselwörter: MRSA, CA-MRSA, Hygienemaßnahmen, Desinfektion

Staphylococci and disinfection

Staphylococus aureus belongs to the most frequent infection-generating pathogens and antibiotic therapy of infections due to methicillin-resistant strains (MRSA) can be problematic. Nowadays, such strains are to be found not only in hospitals but can also be community-acquired (CA-MRSA). Among these a special type, the so-called „USA 300“ clone causing mainly hard-to-treat skin and soft-tissue but also invasive infections, is regarded especially dangerous because of its potential for rapid spreading. This clone has recently also been reported in Europe. As antibiotic use rather leads to selection than to eradication of such strains strict adherence to hygiene measures is of paramount importance not only in hospitals but also at certain places in the community such as in old people’s homes, sports and fitness clubs, saunas and military barracks. These measures include contact isolation of infected persons, sanitation of carriers, hand disinfection with alcohol-based antiseptics, disinfection of linen and of the immediate environment of affected persons, avoidance of sharing towels and of exchanging shirts at sports grounds. The following chemical agents are readily effective against staphylococci: aldehydes, short-chain aliphatic alcohols, (bis-)bi- guanides, peroxides, phenolics, quaternary and ampholytic tensides and triclosan.

Keywords: MRSA, CA-MRSA, hygiene measures, disinfection

Chemother J 2009;18:89–92.



Iris F. Chaberny, Hannover, und Petra Gastmeier, Berlin*

Eine systematische prospektive Surveillance ist notwendig, um die MRSA-Situation im Krankenhaus adäquat erfassen zu können. Das MRSA-KISS-Modul steht hierfür seit 2003 allen Krankenhäusern zur Verfügung. Nur im Vergleich der geschaffenen Datengrundlage kann ein Krankenhaus erkennen, ob es Probleme beim Umgang mit MRSA-Patienten aufweist. Mit diesem standardisierten Verfahren zur Erfassung der MRSA-Epidemiologie ist es möglich, neu eingeführte Infektionspräventionsmaßnahmen auf ihren Erfolg zu prüfen.

Schlüsselwörter: MRSA-Epidemiologie, MRSA-KISS, Surveillance, Infektionsprävention

Prevention measures for MRSA and their implementation

When dealing with the infection control, a systematic prospective surveillance is essential for adequate recording of the real MRSA situation in hospitals. Concerning this matter the MRSA-KISS component is available for all hospitals since 2003. Due to the comparison of created fundamentals each hospital is able to recognize the problems of handling MRSA patients. Moreover, according to this established surveillance method each hospital is able to survey new infection prevention measures testing for their success.

Keywords: MRSA epidemiology, MRSA-KISS, surveillance, infection prevention

Chemother J 2009;18:93–5.



Günter Weiss, Innsbruck*

Auch wenn die antimikrobielle Kombinationstherapie zur Behandlung von Staphylokokken-Infektionen im klinischen Alltag häufig zu finden ist und auch in vielen Guidelines bei spezifischen Indikationen wie Endokarditis empfohlen wird, steht dieser Praxis nur wenig klinische Evidenz gegenüber. Der folgende Artikel liefert einen Überblick über einige der derzeitig empfohlenen oder möglichen Indikationen für eine Kombinationstherapie, weist aber auch auf potenzielle Probleme einer Kombinationstherapie und auf die Schwierigkeiten hin, In-vitro-Beobachtungen auf die klinische Situation zu übertragen. Nur durch gut geplante klinische Studien ist es möglich, den wahren Wert von Kombinationstherapien bei den unterschiedlichen infektiologischen Indikationen einschätzen zu können, was allerdings in Anbetracht der enormen Kosten wohl eine Utopie bleiben wird. Abschließend wird auf zukünftige Möglichkeiten der Therapie durch die Kombination von Antibiotika mit anderen Therapieverfahren eingegangen.

Schlüsselwörter: Aminoglykoside, Synergismus, Biofilme, nichtantibiotische Therapie, Eisenmetabolismus

Antimicrobial combination therapy for staphylococcal infections

Anti-microbial combination therapy is clinically very frequently used to treat infection with staphylococci. In addition, several guidelines recommend the use of combination therapy in specific situations, such as endocarditis, although the clinical evidence to support such therapeutic strategies is poor or sometimes completely absent.

This review summarizes rationales and evidence for the use of combination therapy to treat infection with staphylococci. It has to be kept in mind, that antimicrobial combination therapy also harbors some risks which can be referred to potential antagonism between antibiotics, accumulation of side effects, or stimulation of resistance pathways in bacteria by one drug leading to destabilization of the other. Thus, the insightful use of combination therapy is warranted and well designed, prospective studies are urgently needed to evaluate the true benefit of combination therapy for the treatment of different infections with specific micro-organisms. Finally, an outlook towards future therapeutic approaches combining antibiotics with non-antibiotic treatment strategies is provided.

Keywords: Aminoglycosides, synergism, biofilm, non-antibiotic therapies, microbial iron homoeostasis

Chemother J 2009;18:96–9.



Originalarbeit
Stefan Reuter, Eva Reiff, Björn Jensen, Christian Mathys, Colin MacKenzie und Dieter Häussinger, Düsseldorf

Fälle von multiresistenter Tuberkulose (MDR-Tbc) sind in Deutschland mit 2,2 % noch relativ gering verbreitet. In Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist die Prävalenz der MDR-Tbc im weltweiten Vergleich mit 10 bis 14,2 % der nicht vorbehandelten Fälle bereits dramatisch hoch, mit steigender Tendenz. Die überwiegende Zahl der in Deutschland beobachteten Fälle wird bei Patienten mit Migrationshintergrund aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion beobachtet und stellt unsere Gesundheitsversorgung vor Herausforderungen. Der hier beschriebene Fall einer Koinfektion von HIV und einer MDR-Tbc bei gleichzeitigem Drogengebrauch demonstriert die vielfältigen Schwierigkeiten des Managements von multimorbiden Patienten mit einer multiresistenten Tuberkulose und illustriert die Notwendigkeit von Neuerungen in Bezug auf Diagnostik und Therapie bei dieser schwerwiegenden Erkrankung. Bei Patienten aus der ehemaligen Sowjetunion sollte bereits bei geringem klinischem Verdacht das mögliche Vorliegen einer MDR-Tbc bedacht und die Indikation zur Isolation großzügig gestellt werden. Die Resistenztestung gegenüber Second-Line-Antituberkulotika ist langwierig, so dass die Etablierung molekularbiologischer Methoden zur schnelleren Diagnostik wünschenswert wäre. Für viele Second-Line-Antituberkulotika fehlt der Nachweis der Wirksamkeit durch kontrollierte Studien. Die Therapie ist erschwert durch hohe Kosten, eine große Anzahl einzunehmender Tabletten und Nebenwirkungen der Antituberkulotika. Im Vergleich zu den First-Line-Antituberkulotika, insbesondere den Rifamycinen, sind Interaktionen zwischen Second-Line-Antituberkulotika und antiretroviralen Substanzen gering. Mit Blick auf die Problematik steigender Resistenzen wurde im Jahr 2000 die „Global Alliance for TB Drug Development“ mit dem Ziel der Entwicklung und Erforschung neuer antituberkulotischer Substanzen gegründet. Aktuell befinden sich einige vielversprechende Substanzen in der vorklinischen und klinischen Entwicklung.

Schlüsselwörter: MDR-Tuberkulose, XDR-Tuberkulose, First-Line-, Second-Line-Antituberkulotika, HIV-Koinfektion

Chemother J 2009;18:100–106.



Berichte & Abstracts
8. bis 9. Mai 2009, Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter

Abstracts – Reihenfolge nach Programm

Tagungsprogramm: siehe Chemother J 2009;18(2):74.



Antibiotikaresistenz – Mechanismen der Entstehung, Ausprägung und Ausbreitung 6.–7. April 2009, Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter

Nachtrag zur Veröffentlichung der Abstracts in Chemother J 2009;18:61–71.