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17. Jahrgang Heft 6 Dezember 2008

Übersichten
Ingo Stock, Brühl bei Köln

Hantaviren sind umhüllte einsträngige Ribonukleinsäure-Viren, die vorwiegend durch Ausscheidungen asymptomatisch infizierter Nagetiere auf den Menschen übertragen werden. Man unterscheidet verschiedene Virustypen, die in Abhängigkeit von der Verbreitung des Nagetierwirts in unterschiedlichen geografischen Regionen vorkommen und beim Menschen verschiedenartige Krankheitsbilder hervorrufen. In Deutschland erworbene Hantavirus-Erkrankungen manifestieren sich meist als Nephropathia epidemica. Diese Unterform des hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom (HFRS) zeigt einen grippeähnlichen Verlauf und ist durch hohes Fieber, Myalgien, Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden sowie Nierenfunktionsstörungen gekennzeichnet. Die Nephropathia epidemica ist in Deutschland vor allem auf das Puumalavirus zurückzuführen, dessen natürlicher Wirt die Rötelmaus (Myodes glareolus) ist. 2005 und insbesondere 2007 kam es in weiten Teilen Süd- und Westdeutschlands zu einer starken Häufung von Hantavirus-Erkrankungen. Mit 1 688 gemeldeten Krankheitsfällen wurde im letzten Jahr eine höhere Anzahl von Erkrankten als in den sechs vorhergehenden Jahren zusammen dokumentiert. Erkrankungen durch Hantaviren werden in erster Linie symptomatisch therapiert. Eine antivirale Chemotherapie mit Ribavirin war bei HFRS-Patienten im frühen Erkrankungsstadium erfolgreich, kann aber nicht generell empfohlen werden. Da ein zugelassener Impfstoff bislang nicht zur Verfügung steht, ist die Expositionsprophylaxe die wichtigste präventive Maßnahme.

Schlüsselwörter: Hantavirus-Erkrankungen, hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom, Nephropathia epidemica, Puumalavirus, Myodes glareolus, Ribavirin, Expositionsprophylaxe

Hantavirus infections

Hantaviruses are spherical, enveloped and tri-segmented single stranded ribonucleic acid (RNA) viruses that belong to the family Bunyaviridae. They are widely distributed and maintained in populations of specific insectivores or rodent host species (mice or rats). In their natural host, hantaviruses develop persistent and asymptomatic infections with lifelong virus shedding in excreta. Transmission to humans occurs via direct contact with faeces, urine and saliva of infected rodents, in particular by inhaling virus contaminated aerosol. There are a variety of virus types (also known as virus species) that occur in different geographic areas, dependent on the natural distribution of the host. Unlike asymptomatic infection in rodents, several types of hantaviruses cause acute febrile diseases in humans, known as haemorrhagic fever with renal syndrome (HFRS, caused by types of „new world” hantaviruses) and hantavirus pulmonary syndrome (HPS, caused by hantavirus species of the „old world”). In Germany, human hantavirus infections frequently represent as nephropathia epidemica (NE), a generally mild HFRS form with influenza-like symptoms such as fever, myalgia, headache and gastrointestinal disorders. Kidney failure, a characteristic sign of hantavirus infections, is also common. German NE cases are primarily caused by Puumala viruses (PUUV) which naturally persist in the bank vole (Myodes glareolus), a mouse species that is widely distributed in the whole area of Germany. During 2005 and 2007, in several regions of Southern and Western Germany there was an unexpected increase in PUUV-associated NE cases. Currently, 1 688 symptomatic hantavirus infections have been reported until the end of 2007, which is the highest number of hantavirus diseases in Germany since the introduction of the German infection protective law (Deutsches Infektionsschutzgesetz) in 2001. Treatment of hantavirus infections is mainly supportive and involves intensive medical care. A specific antiviral therapy with ribavirin has been shown to be successful for treatment of HFRS patients in the early stage of disease. In Germany, there is no licensed vaccine applicable for the prevention of hantavirus diseases. Exposition prophylactic measures are, therefore, regarded to be the most effective strategy to prevent illnesses due to these emerging RNA viruses.

Keywords: Hantavirus diseases, haemorrhagic fever with renal syndrome, Nephropathia epidemica, Puumala virus, Myodes glareolus, ribavirin, exposition prophylactic measures

Chemother J 2008;17:251–63.



Reinhard Rüchel und Frederike Debusmann, Göttingen

Die in unseren Breiten wichtigsten invasiven Mykosen, die Candida-, Aspergillus- und Cryptococcus-Mykosen, treten als opportunistische Infektionskrankheiten in der Regel dann auf, wenn eine immunkompromittierende Grundkrankheit den Patienten geschwächt hat. Die Symptomatik der invasiven Mykosen ist deshalb meist wenig charakteristisch und eine wünschenswerte invasive Diagnostik wird häufig durch die Grundkrankheit behindert. Diese Problematik versuchte man durch serologische Diagnostik zu steuern. Dabei erwies sich der Nachweis der humoralen Immunantwort in Folge der zugrunde liegenden Erkrankung oft als wenig aussagekräftig. Größere Erwartungen weckte der Nachweis von Erregerbestandteilen im Rahmen von Antigentests. Entsprechende konfektionierte Testbestecke stehen zur Verfügung; deren Empfindlichkeit und Spezifität lässt aber häufig noch zu wünschen übrig.

Schlüsselwörter: Antigentests, Candidose-/Aspergillose-/Cryptococcose-Serologie

Role of serology for diagnosis of invasive domestic mycoses

The most important invasive mycoses in Europe (candidiasis, aspergillosis, crytococcosis) usually present as opportunistic infectious diseases. They usually afflict patients who suffer from underlying immune compromising diseases. The symptoms of invasive mycoses, therefore, are rarely characteristic and the desirable invasive diagnosis is often prevented by the underlying condition. Such problems may be circumvented with serologic measures. However, due to the underlying disease monitoring of a humoral immune response often proves ineffective. Rather, expectations are founded on monitoring of corresponding microbial components (antigen tests). Such testkits have been commercialised. Their sensitivity and specificity, however, need to be further improved.

Keywords: Serologic measures, invasive mycosis, candidiasis, aspergillosis, cryptococcosis

Chemother J 2008;17:264–6.



Franz-Josef Schmitz, Minden
Stellenwert von Ertapenem

Die rationale Antibiotika-Therapie unter Berücksichtigung unterschiedlicher Faktoren, einschließlich ökologischer Aspekte, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bei der Auswahl von Antibiotika sollte auf die schnelle und adäquate Therapieauswahl, aber auch auf den sogenannten „ökologischen Kollateralschaden“ geachtet werden. In der vorliegenden Arbeit werden das mikrobiologische Profil, klinische Arbeiten zum Therapieerfolg und ökologische Aspekte des Einsatzes von Ertapenem, einem Carbapenem der Gruppe 2, näher beleuchtet. Grundsätzlich gilt, dass die Verwendung unterschiedlicher altbewährter und neuer Therapieoptionen, im Sinn eines „Antibiotika-Mixing“, sowie die Vermeidung eines zu häufigen und einseitigen Antibiotika-Einsatzes, für eine Verbesserung beziehungsweise den Erhalt einer günstigen Resistenzsituation ausschlaggebend sind.

Schlüsselwörter: Ökologischer Kollateralschaden, Antibiotika-Mixing, rationale Antibiotika-Therapie, Ertapenem

Rational antibiotic therapy considering ecological aspects

Rational antibiotic therapy is essential fort he treatment success. Beside that ecological aspects should be considered, i. e. collateral damage should be avoided. The microbiological profile, treatment studies as well as ecological aspects of ertapenem usage will be discussed. In general, antibiotic mixing is important for maintaining a good level of antibiotic resistance.

Keywords: Collateral damage, antibiotic mixing, rational antibiotic therapy, ertapenem

Chemother J 2008;17:267–73.



Wolfgang Witte, Wernigerode*

Staphylococcus aureus ist bei durchschnittlich 30 % der gesunden, nicht hospitalisierten Patienten als natürlicher Besiedler weit verbreitet. Demgegenüber sind Infektionen bei prädisponierten Patienten wie Patienten mit Diabetes mellitus oder offenen Wunden begünstigt. Ausgehend vom nasalen Trägertum können autogene Infektionen auftreten. Die Verbreitung von S. aureus erfolgt hauptsächlich über Kontakte, dabei kommt den Händen eine besondere Rolle zu. Die Population von S. aureus ist klonal strukturiert, dabei sind bestimmte Linien besonders häufig. In Krankenhäusern verbreitete epidemische Methicillin-resistente S.-aureus-Stämme (haMRSA) gehören häufig zu klonalen Linien, die auch als nasale Besiedler weit verbreitet sind. Mehrere epidemische MRSA sind über weite Regionen verbreitet (z. B. ST22, ST247, ST239, ST228), bei anderen erfolgte offenbar mehrfach der Erwerb verschiedener Typen der SCCmec-Elemente durch weit verbreitete Methicillin-empfindliche Linien (z. B. ST5, ST8). haMRSA zeigen eine deutliche Dynamik: Es gibt einen Rückgang älterer Linien mit sehr breiter Mehrfachresistenz zugunsten „jüngerer“ MRSA mit Resistenz gegen alle Beta-Lactam-Antibiotika, Fluorchinolone einschließlich Moxifloxacin sowie Makrolide und Lincosamine (z. B. ST22, ST225) als gegenwärtig in den deutschen Krankenhäusern häufigste haMRSA. Community-acquired MRSA (caMRSA) sind in Mitteleuropa im Vergleich zu den USA selten (z. B. Anteil von 2 bis 3 % an S. aureus aus Infektionen bei dermatologischen Patienten). Nach wie vor überwiegen bei caMRSA Isolate der Linie ST80, gefolgt von ST8, deren weitere molekulare Merkmale dem der in den USA weit verbreiteten Linie „USA300“ entsprechen (arcA, msrA, mphB).

Schlüsselwörter: Staphylococcus aureus, MRSA, molekulare Typisierung, Populationsstruktur

Epidemiology of Staphylococcus aureus

Staphylococcus aureus colonizes the anterior nares of 30 % of healthy non-hospitalized humans permanently. On the other hand infections with S. aureus are rare and favoured by predisposition(s) of the patients affected (e.g. diabetes, wounds). Nasal carriage can be the reservoir for autogenous infection. Spread of S. aureus is mainly based on contacts with particular role of hands.

The S. aureus population has a mainly clonal structure. Lineages which are frequent as methicillin resistant nasal colonizers are also represented as epidemic nosocomial MRSA (haMRSA). Some epidemic haMRSA are widely disseminated (e. g. ST22, ST228, ST239, ST247), others have evolved at different places and at different times by acquisition of SCCmec elements of different types (e. g. ST5, ST8). haMRSA have a dynamics: the older lineages with a broad multiresistance pattern become more rarely (e. g. ST247, ST228) and „younger” haMRSA which are less broad multiresistant become more frequent (e. g. ST22, ST225) with resistance against all beta-lactams, fluoroquinolones including moxifloxacin as well as macrolides and lincosamidines. Community MRSA (caMRSA) are much less frequent in central Europe than in the US (e. g. 2 to 3 % of S. aureus from patients attending ambulatory dermatology). Isolates belonging to lineage ST80 are still the most frequent, followed by clonal lineage ST8 which exhibit characteristics of lineage ST8 “USA300” which are widely spread in USA (arcA, msrA, mphB).

Keywords: Staphylococcus aureus, MRSA, molecular typing, population structure

Chemother J 2008;17:274–81.



Berichte & Abstracts
21. Jahrestagung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V.

9. bis 11. Oktober 2008, Gustav-Stresemann-Institut, Bonn Abstracts – Reihenfolge nach Programm

Nachtrag zur Veröffentlichung der Abstracts in Chemother J 2008;17:227–43.



PEG-Mitteilungen