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16. Jahrgang Heft 6 Dezember 2007

Originalarbeiten
Arne Simon, Oxana Krawtschenko, Martin Exner, Bonn, Matthias Trautmann, Stuttgart, und Steffen Engelhart, Bonn
Vor dem Hintergrund der hier diskutierten Studien wird deutlich, dass Ausbrüche von Pseudomonas-aeruginosa-Infektionen in neonatologischen und pädiatrischen Behandlungseinheiten mit einer hohen Morbidität, Letalität sowie mit einem erheblichen Ressourcenverbrauch einhergehen. In den meisten Fällen deuten solche Ausbrüche auf Lücken in grundsätzlichen Aspekten des krankenhaushygienischen Präventionskonzepts hin. Nach Reservoiren oder Vektoren in der unbelebten Umgebung sollte systematisch in enger Zusammenarbeit mit dem Hygienefachpersonal gesucht werden. Die Beobachtung von zwei oder mehr zeitlich eng verbunden Fällen einer P.-aeruginosa-Infektion sollte zum Verdacht eines Ausbruchs führen. Dies gilt insbesondere in Hochrisikoabteilungen (neonatologische und pädiatrische Intensivstation, Kinderonkologie) oder wenn das Isolat Resistenz gegen zwei oder mehr der am häufigsten eingesetzten Antibiotika aufweist. Strikte Kontaktisolierungsmaßnahmen besiedelter und infizierter Patienten sollten schnellstmöglich eingeleitet und vom Hygienefachpersonal überwacht werden. Die aktuelle Strategie der empirischen Antibiotika-Therapie der Abteilung sollte von einem pädiatrischen Infektiologen oder Mikrobiologen evaluiert werden. Eine Genotypisierung der Isolate ist anzustreben, darf aber nicht dazu führen, dass sich die Maßnahmen zur Kontrolle des Ausbruchs verzögern.

Schlüsselwörter: Pseudomonas aeruginosa, Ausbruch, Neonatologie, Pädiatrie

Chemother J 2007;16:177–81.



Christoph Wenisch, Hermann Laferl, Marton Szell, Wien, und Robert Krause, Graz

Bei septischen Patienten mit Beatmungspneumonien (BAP) führt die primär adäquate Therapie zu einem besseren Behandlungsergebnis als eine inadäquate Initialtherapie. Bei BAP, die nach antiinfektiver Vorbehandlung und/oder > 5-tägiger Beatmungsdauer auftritt, wird die Gabe einer Kombinationstherapie kontrovers diskutiert.

In einer Pilotstudie wurde bei 29 kritisch kranken Patienten (SAPS II: 37,2 ± 9,9; PaO2/FiO2 176 ± 35) mit mikrobiologisch durch bronchoalveoläre Lavage (BAL; Keimzahlen > 10Kolonie-bildende Einheiten: Citrobacter n = 1, K. pneumoniae n = 2, P. aeruginosa n = 10, S. aureus n = 7, S. pneumoniae n = 9) gesicherter BAP, die nach antiinfektiver Vorbehandlung und/oder > 5-tägiger Beatmungsdauer auftrat, eine Kombinationstherapie mit Cefpirom (2 x 2 g) plus Fosfomycin (2 x 8 g) untersucht.

Die Therapie war in allen Fällen mikrobiologisch adäquat. Die klinische Heilungsrate sechs bis acht Tage nach Therapieende lag bei 19/29 (65,5 %), 9/29 (31 %) verstarben insgesamt, wobei 5/29 (17,2 %) durch die BAP-verursachte Sepsis verstarben, und bei einem Patienten kam es zu einem Rückfall. Bei einem Patienten musste die Therapie wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen abgebrochen werden und die 90-Tage-Letalität lag bei 12/29 (41,4 %).

Cefpirom plus Fosfomycin sind effektiv und sicher bei septischen Patienten in der Therapie der BAP, die nach antiinfektiver Vorbehandlung und/oder > 5-tägiger Beatmungsdauer auftritt.

Schlüsselwörter: Beatmungs-assoziierte Pneumonie, Cefpirom, Fosfomycin

Cefpirome plus fosfomycin in the treatment of late ventilator-associated pneumonias

In septic patients with ventilator-associated pneumonia (VAP) microbiological adequate therapy is associated with a better outcome than inadequate therapy. However, the potential benefits of combination therapy with two antiinfectives in patients with late onset VAP are a matter of discussion.

In a pilot trial we assessed a combination therapy with cefpirome (2 x 2 g) plus fosfomycin (2 x 8 g) in 29 critically ill patients with microbiologically proven late-onset VAP (SAPS II: 37.2 ± 9.9; PaO2/FiO2 176 ± 35; bronchoalveolar lavage colony counts >104/mL: Citrobacter n = 1, K. pneumoniae n = 2, P.aeruginosa n = 10, S. aureus n = 7, S. pneumoniae n = 9). All pathogens were sensitive to both substances in vitro. The clinical cure rate 6–9 days after therapy was 19/29 (65.5 %), 9/29 (31 %) died, and 5/29 (17.2 %) died due to pneumonia and/or sepsis. One patient relapsed, in one case therapy was stopped for side effects, and 90 day mortality was 12/29 (41.4 %). In the therapy of septic patients with VAP a combination of cefpirome plus fosfomycin could be useful.

Keywords: Ventilator associated pneumonia, cefpirome, fosfomycin

Chemother J 2007;16:182–5.



Björn S. Timmerbeil, Björn Saager, Stefanie Scherpe, Enno Stürenburg und Peter Heisig, Hamburg

Die Prävalenz Carbapenem-resistenter Enterobakterien in Deutschland ist bislang sehr gering. Dennoch ist der Nachweis eines solchen Erregers besorgniserregend, da Carbapeneme als Mittel der Wahl bei Infektionen durch multiresistente gramnegative Bakterien angewendet werden.

In diesem Fallbericht wird der Nachweis eines Carbapenem-resistenten Klebsiella-pneumoniae-Isolats am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) beschrieben. Die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) für verschiedene Antibiotika zeigten folgende Werte: Imipenem 32 mg/l, Meropenem 8 mg/l und Ertapenem 32 mg/l. Das Isolat ist zugleich gemäß den Richtlinien des CLSI (Clinical and Laboratory Standards Institute) ein ESBL(Extended-spectrum beta-lactamase)-Produzent, zeigt jedoch eine Empfindlichkeit gegen Fluorchinolone und Aminoglykoside.

Damit dokumentiert der vorliegende Fallbericht das vierte Isolat mit klinisch relevanter Carbapenem-Resistenz in Deutschland

Schlüsselwörter: ESBL, Carbapenem-Resistenz, Klebsiella pneumoniae

Case report: Emergence of a carbapenem-resistent Klebsiella pneumoniae in Northern Germany

The prevalence of carbapenem resistant enterobacteria is low, so far. However, the emergence of such a strain is alarming, as carbapenems often are the only active agents available for treating multiple-resistant gramnegative bacteria.

This case report describes the detection of a carbapenem-resistant isolate of Klebsiella pneumoniae at the University Medical Center Hamburg-Eppendorf (UKE). MICs of impenem, meropenem, and ertapenem were 32 mg/l, 8 mg/l, and 32 mg/l, respectively. The strain was also an ESBL producer according to CLSI guidelines. It retained susceptibility to fluorochinolones and aminoglycosides.

This is the fourth confirmed report of a clinical isolate with resistance to carbapenem in Germany.

Keywords: ESBL, carbapenem resistance, Klebsiella pneumoniae

Chemother J 2007;16:186–8.



Wiebke Hellenbrand, Christiane König-Bruhns, Anette Siedler und Walter Haas, Berlin
Laborbefragung zur Häufigkeit und zu Ergebnissen der Blutkulturdiagnostik im Jahr 2002 mit Schätzung der Inzidenz einiger invasiver bakterieller Infektionen

Die Blutkultur(BK)-Diagnostik ist für die Diagnose und Überwachung invasiver bakterieller Erkrankungen entscheidend. Ziel dieser Studie war es, die BK-Diagnostik in Deutschland zu beschreiben und zu quantifizieren sowie die Inzidenz einiger Erreger anhand dieser Ergebnisse zu schätzen. Dazu wurden mikrobiologische Labore in Deutschland um Auskunft zur Art, zur Anzahl und zu Ergebnissen durchgeführter BK-Diagnostik aus dem Jahr 2002 gebeten. Die Gesamtzahl der in deutschen mikrobiologischen Laboren im Jahr 2002 erhaltenen BK wurde aufgrund der durchschnittlich pro teilnehmendem Labor ermittelten Anzahl hochgerechnet. Der Anteil positiver BK wurde ermittelt. Die Zahl von vier isolierten Erregern (S. pneumoniae, N. meningitidis, H. influenzae, MRSA) wurde unter Berücksichtigung der angegebenen Anzahl von Mehrfachisolaten berechnet. Beruhend auf diesen Zahlen wurde die Inzidenz der invasiven Infektionen mit diesen Erregern geschätzt und mit verfügbaren Meldedaten verglichen.

Die Rücklaufquote betrug 57,2 %. Im Durchschnitt erhielten die teilnehmenden Labore 2 466 BK im Jahr 2002. Dies entspricht 1 725 BK/100 000 Einwohnern. Etwa 12,5 % der durchgeführten BK stammten von Kindern unter 15 Jahren. Die geschätzte Inzidenz invasiver bakterieller Erkrankungen durch Pneumokokken betrug 7,7, durch Meningokokken 0,7, durch H. influenzae 0,5 und durch MRSA 5,7 Erkrankungen/100 000 Einwohner. Diese Schätzungen waren insbesondere für H. influenzae höher als die auf der Grundlage der Routine-Surveillancedaten berechnete Inzidenz.

Schlüsselwörter: Blutkultur, Laborbefragung, Surveillance, invasive bakterielle Infektionen

Estimation of the incidence of selected invasive bacterial infections based on a laboratory survey on frequency and results of blood culture performance in Germany, 2002

The performance of blood cultures (BC) is crucial for the diagnosis and surveillance of invasive bacterial diseases. The aim of this study was to describe and quantify blood culture diagnosis in Germany and to estimate the incidence of selected pathogens based on these results.

Microbiological laboratories in Germany were asked to provide information on the type, number and results of blood cultures performed in 2002. The number of blood cultures received by all laboratories in Germany in 2002 was estimated based on the average number of BC received by participating microbiological laboratories. The proportion of positive BC was calculated for the total number of reported aerobic, anaerobic or combined aerobic/anaerobic BC. The number of BC positive for S. pneumoniae, N. meningitidis, H. influenzae, MRSA was calculated corrected for repeat cultures from the same patient. Based on these figures, the incidence of invasive infections with these pathogens was estimated and compared to available surveillance data.

The response was 57.2 %. Participating laboratories received a mean of 2466 BC in 2002, which corresponds to 1725 BC/100.000 inhabitants. Of all BC, 12.5 % were performed in children < 15 years. The estimated incidence of invasive bacterial disease caused by S. pneumoniae was 7.7, by N. meningitidis 0.7, by H. influenzae 0.5, and by MRSA 5.7 cases/100.000 inhabitants. These estimates were higher than incidence calculated based on routine surveillance data, in particular for H. influenzae.

Keywords: Blood culture, laboratory survey, surveillance, invasive bacterial diseases

Chemother J 2007;16:189–94.



Bericht
Susanne Heinzl, Stuttgart
Neuer Angriffspunkt bei HIV-Infektion
CCR5-Hemmer wie Maraviroc gehören zu den so genannten Eintrittshemmern. Ein Eintrittshemmer ist auch der Fusionshemmer Enfuvirtid (Fuzeon®), der schon seit 2003 im Handel verfügbar ist. Maraviroc (Celsentri®) steht seit Mitte Oktober 2007 zur Behandlung von bereits vorbehandelten Patienten zur Verfügung. Er ist das erste HIV-Therapeutikum, das nicht am Virus, sondern am Wirt angreift.


Berichte
Susanne Heinzl, Stuttgart
Neues Echinocandin zur Behandlung systemischer Kandidosen
Mit Anidulafungin (Ecalta®) steht nun nach Caspofungin (Cancidas®) ein weiteres Echinocandin zur Behandlung systemischer Kandidämien zur Verfügung. Anidulafungin ist für erwachsene Patienten ohne Neutropenie zugelassen.