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15. Jahrgang Heft 5 Oktober 2006

PEG-Empfehlungen
Hartmut Lode, Ralf Stahlmann, Berlin, und Heino Skopnik, Worms
Empfehlungen einer Expertenkommission der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V.

Orale Antibiotika werden vorwiegend in der ambulanten Medizin eingesetzt, finden aber bei leichten bis mittelschweren Infektionskrankheiten auch in der Klinik zunehmend Anwendung. Die Auswahl erfolgt primär nach medizinischen und sekundär nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, da die klinische Effektivität das entscheidende Auswahlkriterium ist. Die verschiedenen Antibiotika-Gruppen (Penicilline, Cephalosporine, Makrolide, Ketolide, Fluorchinolone, Tetracycline, Trimethoprim mit oder ohne Sulfonamid, Fosfomycin, Nitrofurantoin, Oxazolidinone, Nitroimidazole) werden nach ihrem antibakteriellen Spektrum und ihrer Pharmakokinetik charakterisiert. Aufgrund der häufigsten Erreger und der Ergebnisse von Therapiestudien werden daraus Empfehlungen abgeleitet, welche Antibiotika bei den unterschiedlichen Infektionen als Mittel der Wahl und als Alternativen in Frage kommen. Die tabellarischen Zusammenfassungen der Therapieempfehlungen und der Dosierungen bei Erwachsenen und Schulkindern sollen den rationalen Einsatz oraler Antibiotika erleichtern. Die Empfehlungen gelten vorwiegend für die initiale Therapie vor oder ohne Erregerkenntnis (kalkulierte Therapie, Tab. 1). Wo immer möglich, liegen den Empfehlungen Evidenz-basierte Daten zugrunde, die angelehnt an das Leitlinien-Manual der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und der Ärztlichen Zentralstelle für Qualitätssicherung „äzq“ bewertet werden. Nach den Kriterien der AWMF können die Empfehlungen als Leitlinie S2 eingestuft werden. Die Empfehlungsgrade werden im Einzelnen in den Tabellen angegeben (Tab. 2).

Seit 1984 (zuletzt 2002) erscheinen Empfehlungen einer Expertenkommission der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG) zum rationalen Einsatz oraler Antibiotika in der Praxis. Die Verfügbarkeit neuer Substanzen einerseits und die Veränderungen der Resistenzsituation in Mitteleuropa andererseits geben Anlass zu einer Aktualisierung dieser Empfehlungen. Hinzu kommt, dass ökonomische und leistungsrechtliche Aspekte der Pharmakotherapie einen immer höheren Stellenwert haben und einige relevante Neuregelungen in der Praxis gelten.

Chemother J 2006;15:129-44



Übersichten
Georg F. W. Scheumann, Michael Winkler und Stefan Ziesing, Hannover

Komplizierte intraabdominale Infektionen in der Chirurgie, bei denen neben der chirurgischen Herdsanierung auch antimikrobielle Maßnahmen notwendig sind, erfordern eine breit wirksame antibiotische Therapie, da es sich hier überwiegend um polymikrobielle Infektionen durch aerobe und anaerobe Erreger handelt. Nur wenige Substanzen stehen zur Verfügung, die die zu erwartenden Erreger sicher erfassen und somit als Monotherapie empfohlen werden können. Dies bestätigen auch die aktuellen Leitlinien der Surgical Infection Society of North America (SISNO), der Infectious Diseases Society of America (IDSA) und die Empfehlungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) zur Therapie intraabdominaler Infektionserkrankungen. Die Auswahl der Substanzen bzw. Therapieregime wird weiterhin eingeschränkt durch eine Resistenzzunahme bei gramnegativen Erregern gegenüber den in der Vergangenheit häufig in Kombination mit Metronidazol eingesetzten 3.-Generations-Cephalosporinen (= Gruppe 3 nach Einteilung der PEG) und Fluorchinolonen, die darüber hinaus für eine verstärkte Resistenzselektion verantwortlich gemacht werden. Vor diesem Hintergrund empfehlen Experten, den Einsatz dieser Substanzen zu reduzieren und für die empirische Initialtherapie bevorzugt solche Substanzen einzusetzen, die bei guter Wirksamkeit zusätzlich ein nur geringes Potenzial für die Selektion und Entwicklung resistenter Stämme haben. Zu diesen empfohlenen Antibiotika gehören die Carbapeneme Imipenem und Meropenem (Gruppe 1) und das im Jahr 2002 neu zugelassene Ertapenem, das nach PEG als Carbapenem der Gruppe 2 klassifiziert wird. Der Stellenwert von Ertapenem bei Infektionen in der Chirurgie soll im Folgenden anhand der mikrobiologischen und klinischen Daten diskutiert werden. Eine Ertapenem-Monotherapie wird sowohl in den Empfehlungen der Surgical Infection Society of North America (SISNO) und den Empfehlungen der Infectious Diseases Society of America (IDSA) als auch in den Empfehlungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) als wichtige Therapieoption bei intraabdominalen Infektionen genannt.

Schlüsselwörter: Ertapenem, Carbapeneme, Chirurgie, intraabdominale Infektionen

Chemother J 2006;15:145–51.



Eberhard Kniehl, Karlsruhe
Eine aktuelle Übersicht

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und stellen insbesondere für die Krankenhaushygiene eine große Herausforderung dar. Gefordert werden preisgünstige, schnelle und aussagefähige Verfahren zur Erkennung von Trägerschaft und/oder Infektion. Das Arsenal der dem Routinelabor zum Nachweis von MRSA zur Verfügung stehenden Verfahren ist im Umbruch: neue chromogene Selektivnährmedien, auch in Verbindung mit schnellen und verbesserten Bestätigungstests, ermöglichen eine schnellere und sicherere Diagnostik auf konventionellem Weg binnen 24 bis 48 Stunden, kommerzielle Systeme zum molekularen Nachweis von MRSA direkt aus dem Untersuchungsmaterial binnen weniger Stunden. Mit der vorliegenden Arbeit wird eine Übersicht über aktuelle Methoden und Entwicklungen gegeben.

Schlüsselwörter: MRSA, Nachweismethoden, Mikrobiologie, mecA

MRSA-testing in routine laboratory

Methicillin-resistant Staphylococcus aureus is an emerging pathogen and a challenge in infection control. For detection of carriage and/or infection, cheap, fast and reliable methods are required. The range of methods which are on-hand in routine microbiology laboratories is changing: new chromogenic selective media allow faster (within 24 to 48 hours) and more reliable conventional diagnostics than media used up to now, together with faster and better confirmation tests; results of commercially available systems for molecular diagnosis are available within a few hours. The paper reviews current laboratory methods and developments.

Keywords: MRSA, laboratory methods, microbiology, mecA

Chemother J 2006;15:152–61.



PEG-Mitteilungen