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14. Jahrgang Heft 6 Dezember 2005

Übersichten
Dirk Stengel, Berlin, und Wolfgang Graninger, Wien
Datenlage zur Primär- und Sekundärprävention von Amputationen

Diabetische Fußinfektionen (DFI) stellen ein medizinisch und gesundheitsökonomisch relevantes Problem dar. In einer Benchmarking-Analyse wurden die Daten aus systematischen Übersichtsarbeiten und Gesundheitstechnologie-(Health technology assessment, HTA)-Berichten zur Effektivität von primär- und sekundärpräventiven Maßnahmen zusammengetragen. Wesentliches Zielkriterium war die Amputation oberhalb der Chopart-Gelenklinie, die mit erheblichen Folgekosten und Einschränkungen der Lebensqualität assoziiert ist. Es wurde untersucht, ob eine therapeutische Unsicherheit zur Auswahl von Antibiotika für die kalkulierte Therapie von DFI besteht.

Die Daten aus der S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, der Praxis-Leitlinie der Infectious Diseases Society of America, zwei Cochrane-Reviews, einem HTA-Bericht des britischen National Health Service und einem Bulletin des Centre for Reviews and Dissemination unter Einschluss von 52 Primärstudien und 7 620 Patienten legen einen geringen Einfluss von Patientenschulung, Einrichtung spezieller Zentren oder einer Schuhversorgung auf die Inzidenz und den Verlauf von DFI nahe. Auf der Ebene der Sekundärprävention gibt es Anhalt für die Wirksamkeit lokaltherapeutischer Maßnahmen im Vergleich zu Plazebo-Kontrollen; unspezifische Effekte können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die zurückhaltenden Empfehlungen zur antimikrobiellen Therapie in Praxis-Leitlinien korrespondieren mit der schwachen Datenlage. Mit Vorsicht sind derzeit auch die Ergebnisse zur Effektivität von Linezolid im Vergleich zu Aminopenicillinen zu interpretieren. Das Nutzen-Risiko-Profil rechtfertigt derzeit keinen generellen Einsatz dieses Reserveantibiotikums zur Behandlung von DFI.

Maßnahmen der Primärprävention sind unzureichend, um DFI zu vermeiden. Umso größere Anstrengungen müssen in der Therapie unternommen werden, um Extremitätenverluste zu vermeiden. Es besteht weiterhin erheblicher Forschungsbedarf, wie dieses Ziel effektiv und effizient erreicht werden kann.

Schlüsselwörter: Diabetischer Fuß, Amputation, Benchmarking, Nutzenbewertung

Antimicrobial treatment of diabetic foot infections. Effects of primary and secondary prevention measures on amputation rates

Diabetic foot infections (DFI) represent relevant complications from both a medical and a public health perspective. In a benchmarking analysis, we merged data from systematic reviews and health technology assessment (HTA) reports to scrutinize the efficacy of primary and secondary prevention measures. We put a focus on major limb amputation above the Chopart’s line, which is associated with significant burdens to health care budgets and impaired quality of life. We specifically investigated whether equipoise is maintained regarding the proper choice of antibiotics for empirical therapy.

Data gathered from national and international clinical practice guidelines, two Cochrane reviews, one HTA-report of the National Health Service and a bulletin of the Centre for Reviews and Dissemination (52 primary studies, 7 620 patients) suggest a minor impact of patient education, implementation of foot care clinics, and shoe wear on the incidence and progress of DFI. On the level of secondary prevention, varying topical treatments showed favorable efficacy over placebo interventions. However, unspecific effects cannot be excluded. Reluctant recommendations on antibiotic treatment made in practice guidelines correspond to the overall weak evidence on this issue. The results from a randomized trial of linezolid versus aminopenicillins must be interpreted with caution. The benefit-risk-profile does not yet warrant the general use of this second-line agent for treating DFI.

In conclusion, primary prevention may have minor impact on the occurrence of DFI. Thus, efforts must be spent on the therapeutic level to prevent major limb amputation. There is a significant need for research how to reach this goal effectively and efficiently.

Keywords: Diabetic foot infection, amputation, benchmarking, outcomes research

Chemother J 2005;14:191–7.



Axel Glasmacher, Corinna Hahn, Gudrun Fleischhack, Günter Marklein und Peter Walger, Bonn
Wirksamkeit und Resistenzentwicklung

Multiresistente Krankheitserreger stellen eine der großen globalen Herausforderungen der modernen Medizin dar. Die Erfahrung in verschiedenen Ländern mit hohen Raten resistenter Erreger, wie in Frankreich, Großbritannien oder den USA, zeigt, wie schwierig und teuer es ist, aufgetretene Resistenzen einzudämmen. Um Resistenzen zu vermeiden, muss man sich vergegenwärtigen, dass bestimmte Antibiotika-Strategien deutlich häufiger zu Resistenzentwicklungen führen als andere, wie Analysen von Antibiotika-Verbrauch und Resistenzentwicklung eindeutig belegen. Als günstig in Bezug auf die Abwehr einer Resistenzentwicklung haben sich Penicillin-basierte Strategien erwiesen. Am Universitätsklinikum Bonn haben sich in den Bereichen internistische Intensivmedizin sowie der pädiatrischen und internistischen Hämatologie/Onkologie Penicillin-basierte Strategien, d. h. der Einsatz von Acylureidopenicillinen mit Beta-Lactamase-Inhibitoren bei schweren Infektionen, seit über 10 Jahren bewährt. Bei einem Workshop der Akademie für Interdisziplinäres Infektionsmanagement (www.aim-online.net) und des Universitätsklinikums der Universität am 23. Juli 2003 in Bonn wurden diese Erfahrungen vorgestellt und diskutiert, das Manuskript wurde im Mai 2005 erweitert und aktualisiert.

Schlüsselwörter: Antibiotika-Resistenz, Antibiotika-Therapie, Acylureidopenicilline, Beta-Lactamase-Inhibitoren

Chemother J 2005;14:198–206.



Originalarbeit
Michaela Schmidtke, Andreas Sauerbrei und Peter Wutzler, Jena
Anti-Influenzavirus-A-Wirkung von Oxymetazolin

Das Alpha-Sympathomimetikum Oxymetazolin (OMZ) hat sich als Wirkstoff von Schnupfenpräparaten bei der Behandlung der Rhinitis bewährt. Da die Rhinitis häufig viral bedingt ist, wurde im Rahmen einer Studie die Wirkung von OMZ sowie OMZ-haltigem Nasivin® gegenüber dem Influenzavirus A, dem Erreger der Grippe, in vitro geprüft. Im Ergebnis der Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Nasivin® und OMZ eine gute Zellverträglichkeit aufweisen. Im zytopathischen Effekt-Hemmtest konnten virusinduzierte Zellveränderungen durch OMZ um bis zu 81 % reduziert werden. Diese Hemmung der Virusreplikation wurde mittels Plaque-Reduktions-Test bestätigt. Zusammenfassend sprechen die Ergebnisse der vorliegenden Studie dafür, dass OMZ neben seinem vasokonstriktorischen und schleimhautabschwellenden Effekt auch eine antivirale Wirkung gegenüber dem Influenzavirus A aufweist.

Schlüsselwörter: Influenzavirus A, antiviral, Oxymetazolin

Do oxymetazoline-containing nasal sprays exhibit an antiviral activity against influenza A virus?

The α-sympathomimetic oxymetazoline (OMZ) has been successfully used to treat rhinitis. Because viruses are the mean cause of rhinitis, the aim of this study was to investigate whether OMZ as well as OMZ-containing Nasivin® possesses antiviral activity against influenza A virus in cell culture. The results of this study confirm a good compatibility of Nasivin® and OMZ for MDCK cells. OMZ reduced the influenza A virus-induced cytopathic effect in MDCK cells up to 81 %. The antiviral activity was confirmed with plaque-reduction assays. Taken together, the results of the present study show that in addition to its vasoconstrictive and decongestant effect, OMZ also possesses an anti-influenza A virus activity.

Keywords: Influenza A virus, antiviral, oxymetazoline

Chemother J 2005;14:207–11.



PEG-Nachrichten


Karin Kleutgens, Aachen


Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Regensburg
Leserbrief


Die Herausgeber des Chemotherapie Journals