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14. Jahrgang Heft 5 Oktober 2005

Übersichten
Peter Dittrich, Graz

Eine optimale Therapie mit Antibiotika reduziert Therapieversager und vermeidet die Entwicklung resistenter Erreger. Zur rationalen Planung der Dosierung sind deshalb pharmakokinetische Daten der Antibiotika in entzündeten Geweben notwendig. Für die Lunge sind zahlreiche Ergebnisse von Messungen der Antibiotika-Konzentrationen publiziert, allerdings sind es aus technischen Gründen fast ausschließlich punktuelle Messungen und nicht vollständige, pharmakokinetische Profile. Diese lassen sich jetzt mit modernen Methoden, wie der Mikrodialyse, erstellen. Erste Ergebnisse damit zeigen, dass sich die Konzentrationsverläufe in der Lunge deutlich von den Verläufen im zentralen Kompartiment unterscheiden können und dass Unterschiede zwischen entzündeten und gesunden Geweben bestehen.

Die bessere Kenntnis der pharmakokinetischen Parameter im Gewebe sollte dazu beitragen, dass in Zukunft die Therapie mit Antibiotika weiter verbessert werden kann.

Schlüsselwörter: Pharmakokinetik, Antibiotika, Lunge, Mikrodialyse

Pharmacokinetic of antibiotics in the lung

Consideration of pharmacokinetically optimal use of antimicrobial substances will reduce therapeutic failures and avoid development of bacterial resistance. Therefore an adequate knowledge of the pharmacokinetic parameters in the inflamed target tissue is necessary for the rational design of dosage schedules.

A number of publications report tissue levels at different sites of the lung but with few exceptions the results are pooled from interindividual data and do not originate from continuous measurements. Novel approaches like microdialysis allow continuous measurements in the lung and first results show, that the concentration curves in tissue can be markedly different from the central compartment and that the pharmakokinetics in inflamed tissue is different from healthy tissue. Improved knowledge of pharmacokinetic parameters of antiinfectives at their target site may help in further improving their clinical use.

Keywords: Pharmacokinetics, antibiotics, lung, microdialysis

Chemother J 2005;14:161–3.



Robert-Koch-Institut, Berlin
Zum örtlichen Erkrankungsrisiko der Frühsommer-Meningoenzephalitis und zu Schlussfolgerungen für präventive Maßnahmen*
In der Ausgabe Nr. 16 des Epidemiologischen Bulletins vom 22. April 2005 wurde – in Übereinstimmung mit den diesbezüglichen Ausführungen in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am RKI – eine aktualisierte Darstellung der FSME-Risikogebiete in Deutschland in einer Einteilung nach Kreisgebieten als Grundlage für gezielte präventive Maßnahmen publiziert. Sie beruht auf den im RKI vorliegenden Daten zu bestätigten FSME-Erkrankungen, die in den Jahren 1985–2004 aufgetreten sind, und ersetzt die Karte der Risikogebiete vom Mai 2004 (Epid. Bull. 21/2004).


Originalarbeiten
Wolfgang Elies, Gunter Lemmnitz, Bielefeld, und die Multicenter- Studiengruppe**

Die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Antibiotika-Kombination Amoxicillin + Flucloxacillin (Flanamox® 500) wurden in einer in neun HNO-Praxen durchgeführten, klinischen Doppelblind-Vergleichsstudie bei insgesamt 207 Patienten mit akuter purulenter Sinusitis überprüft. Ziel war der Nachweis der „Nicht-Unterlegenheit“ der Kombination mit Flucloxacillin bezüglich der klinischen Heilungsrate im Vergleich zur Kombination mit Clavulansäure (= Referenz). In die Studie wurden 105 Patienten der Amoxicillin/Flucloxacillin-Gruppe und 102 der Amoxicillin/Clavulansäure-Gruppe aufgenommen. Die vorgegebene Dosierung war dreimal täglich 1 Kapsel Amoxicillin/Flucloxacillin (je 250 mg) bzw. 1 Tablette Amoxicillin/Clavulansäure (500 + 125 mg).

Am 7. Tag nach Therapiebeginn waren in beiden Behandlungsgruppen ca. 77 % der Patienten (77,9 % in der Amoxicillin/Flucloxacillin-Gruppe, 76,6 % in der Referenzgruppe) gemäß Arzturteil geheilt. Bis zum 21. Studientag stieg die klinische Erfolgsrate auf jeweils über 97 % an. Ca. 70 % der mit Amoxicillin/Flucloxacillin oder dem Referenzpräparat behandelten Patienten kamen mit einer Therapiedauer von 7 Tagen oder weniger aus. In beiden Behandlungsgruppen gab es eine statistisch hochsignifikante Abnahme des C-reaktiven Proteins (p < 0,0001) und eine deutliche Besserung der klinischen Symptomatik (subjektive Beschwerden, Fieber, Kopfschmerzen, Geruchsminderung, rhinoskopischer Befund).

Bei 43 Patienten wurden im Beobachtungsverlauf insgesamt 48 unerwünschte Ereignisse registriert, 18 bei insgesamt 16 Patienten unter Amoxicillin/Flucloxacillin und 30 bei 27 Patienten der Referenzgruppe.

Die Ergebnisse der klinischen Prüfung führen zu dem Schluss, dass Amoxicillin/Flucloxacillin bei der antibakteriellen Sinusitis-Therapie in seiner therapeutischen Wirksamkeit äquivalent zur Kombination Amoxicillin/Clavulansäure ist. Die deutlich bessere Verträglichkeit könnte einen therapeutischen Vorteil darstellen.

Schlüsselwörter: Amoxicillin/Flucloxacillin, Flanamox® 500, Sinusitis

Comparison of efficacy and tolerability of amoxicillin/flucloxacillin (Flanamox® 500) and amoxicillin/clavulanate in patients with acute purulent sinusitis

Amoxicillin/flucloxacillin (Flanamox® 500) was compared with amoxicillin/clavulanate in a double blind, multicenter trial of 207 patients with acute bacterial sinusitis. Intention was to show non-inferiority of amoxicillin/flucloxacillin with respect to cure rates and clinical outcome. 105 patients were included in the amoxicillin/flucloxacillin group and 102 patients in the other group. The intended dosage was 1 capsule of amoxicillin/flucloxacillin (250 mg each) or 1 tablet of amoxicillin/clavulanate (500 + 125 mg) three times per day. About 77 % of patients of both treatment groups (amoxicillin/flucloxacillin group 77.9 %, reference group 76.6 %) were clinically cured within 7 days. Within 21 days after treatment onset the cure rates increased to more than 97 %. Treatment duration was 7 days or less in about 70 % of the patients treated with amoxicillin/flucloxacillin or amoxicillin/clavulanate. In both treatment groups a significant decrease of C-reactive protein (p < 0,0001) as well as a clear improvement of clinical signs was found. Forty three patients reported 48 events: 18 adverse events (16 of 105 patients) occurred with amoxicillin/flucloxacillin and 30 (27 of 102 patients) with amoxicillin/clavulanate. As a conclusion, amoxicillin/flucloxacillin is just as efficient as amoxicillin/clavulanate in the treatment of acute bacterial sinusitis. The better tolerability might be a therapeutical advantage.

Keywords: Amoxicillin/flucloxacillin, Flanamox® 500, sinusitis

Chemother J 2005;14:168–73.



Malina Schmidt-Ioanas, Jörg Eller und Hartmut Lode, Berlin
Ergebnisse im Rahmen einer Levofloxacin-Therapie

Ziel der vorliegenden Studie war es, den Stellenwert der Sputumfarbe als Verlaufsparameter bei Patienten mit akuter Exazerbation der chronischen Bronchitis (AECB) unter ambulanter Behandlung mit Levofloxacin zu bestimmen. Insgesamt 1 228 Patienten mit einer AECB (Alter 59,8 Jahre im Median), wurden mit einmal täglich Levofloxacin 500 mg Tabletten über einen Zeitraum von im Median 7 Tagen ambulant behandelt. Die Symptome (Dyspnoe, Husten, Auskultationsbefunde) wurden vor Therapie und am Ende der Behandlung evaluiert. Die Sputumfarbe wurde von den Patienten anhand einer vierstufigen Farbskala täglich für 7 Tage dokumentiert. Vor Behandlung wurde ein purulentes Sputum bei 95 % der Patienten gefunden. Nach 5 Tagen wurde bei 44 % und am Ende der Behandlung nach 7 Tagen bei 76 % der Patienten ein Verschwinden des purulenten Sputums registriert. Eine signifikante Besserung (jeweils p  0,001) wurde für folgende Parameter beobachtet: Husten 93 %, Dyspnoe 83 %, Auskultationsbefunde 88 % und Allgemeinzustand 86 % der Patienten. Ein vollständiges Verschwinden der Symptome wurde im Median nach 6 Tagen erreicht. Am Beobachtungsende wurde die Behandlung bei 98 % der Patienten als klinisch erfolgreich eingeschätzt (60 % geheilt, 38 % gebessert). Es bestand ein hochsignifikanter Trend zu einem Zusammenhang zwischen der Heilungsrate und der Sputumentfärbung bzw. dem kompletten Verschwinden des Sputums (p < 0,0001). 195 (16 %) Patienten wurden nur 5 Tage mit Levofloxacin behandelt. Bei diesen Patienten zeigte sich ein vergleichbarer Behandlungserfolg wie bei der Behandlung über 7 Tage. Die Beurteilung der Sputumfarbe im Rahmen einer Exazerbation der chronischen Bronchitis durch Arzt und Patient ergab in dieser Studie einfache und überzeugende Hinweise auf eine erfolgreiche Therapie.

Schlüsselwörter: Levofloxacin, Bronchitis, Sputumfarbe

Sputum colour as a follow-up parameter of acute exacerbation of chronic bronchitis – results from outpatients with levofloxacin therapy

The aim of this study was to determine the relevance of sputum colour as a follow-up parameter in outpatients with acute exacerbation of chronic bronchitis (AECB) and therapy with levofloxacin. A total of 1 228 outpatients with AECB (median age 59,8 years), received levofloxacin 500 mg once daily for in median 7 days. The symptoms (dyspnoea, cough, breath sounds) were recorded before and at the end of therapy. The colour of sputum has been documented daily for 7 days based on a 4-grade colour scale. Before the beginning of treatment, 95 % of the AECB patients presented purulent sputum. After 5 days of therapy, the purulence of sputum disappeared in 44 % and in 76 % after 7 days of treatment, respectively. A significant improvement (p < 0.001) of symptoms was observed after the end of therapy: cough in 93 % of patients, dyspnoea in 83 %, breath sounds in 88 % and general condition in 86 % of cases. A complete resolution of the symptoms has been achieved after a median of 6 days. At the end of the follow-up period, the therapy has been assessed as clinically successful in 98 % of patients (60 % cured and 38 % improved). There was a highly significant trend regarding the association between clinical success and decrease of sputum purulency or complete absence of sputum (p < 0.0001). A discrete group comprising 16 % of the study population received only a 5-days course of levofloxacin treatment. These patients presented similar findings concerning the clinical success rate such as the 7-days course patients.

The evaluation of sputum colour in patients with AECB provided simple and convincing arguments for the effectiveness of the antibiotic therapy.

Keywords: Levofloxacin, chronic bronchitis, sputum colour

Chemother J 2005;14:174–7.



Joachim Lorenz, Lüdenscheid
Ergebnisse einer Beobachtungsstudie mit 34 929 Patienten

Telithromycin (Ketek®) ist der erste Vertreter einer neuen Klasse antibakterieller Wirkstoffe – der Ketolide. Ziel dieser nicht-vergleichenden, prospektiven, nicht-interventionellen Beobachtungsstudie war es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Telithromycin bei einer großen Zahl von ambulanten Patienten mit Atemwegsinfektion zu bestätigen. Vor und nach der Behandlung mit Telithromycin wurden spezifische Leitsymptome mit Hilfe von 3-Punkt-Skalen (keine, leicht, stark) beurteilt. Das klinische Ergebnis der Behandlung wurde beurteilt als Heilung, Besserung, unverändert oder verschlechtert. 34 929 Patienten (Alter 45 Jahre im Median, 48 % männlich, 51 % weiblich) mit ambulant erworbener Pneumonie (community-acquired pneumonia, CAP, n = 5 640), akuter Exazerbation einer chronischen Bronchitis (AECB, n = 9 957), akuter bakterieller Sinusitis (n = 12 860) oder Tonsillitis/Pharyngitis (n = 8 337) wurden ambulant mit Telithromycin 800 mg einmal täglich behandelt. Die Dauer der Behandlung mit Telithromycin betrug im Median 7 Tage bei Patienten mit CAP (1. Perzentil: 1 Tag; 99. Perzentil: 16 Tage) und 5 Tage bei Patienten mit AECB (1. Perzentil: 1 Tag; 99. Perzentil: 15 Tage), akuter bakterieller Sinusitis oder Tonsillitis/Pharyngitis (jeweils 1. Perzentil: 1 Tag; 99. Perzentil: 13 Tage). In allen Indikationsgruppen und bei allen Leitsymptomen zeigten sich deutliche Verbesserungen (z. B. lokalisierter Schmerz, Rötung, Schwellung, purulentes Sputum, Atemgeräusche, Kopfschmerz oder Lymphknotenschwellung; jeweils p = 0,001). Eine Beurteilung des klinischen Ergebnisses war bei 34 211 Patienten vorhanden. Insgesamt war bei 98,4 % der Patienten eine Heilung oder Besserung zu verzeichnen (CAP 98,3 %, AECB 98,2 %, akute Sinusitis 98,5 %, Tonsillitis/Pharyngitis 98,5 %). Unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden bei 1,85 % der Patienten berichtet. Am häufigsten genannt wurden gastrointestinale Störungen (1,23 %) und Störungen des Nervensystems (0,33 %, z. B. Schwindel, Kopfschmerz oder Schläfrigkeit). Schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden bei 32 Patienten berichtet (0,09 %), es waren meist gastrointestinale Störungen, Sehstörungen oder Störungen des Nervensystems. Damit bestätigen die Ergebnisse dieser Beobachtungsstudie die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Telithromycin in der Behandlung ambulant erworbener Atemwegsinfektionen.

Schlüsselwörter: Telithromycin, Atemwegsinfektionen, ambulant

Telithromycin in community-acquired respiratory tract infections. Results of a postauthorization survey including 34 929 patients

Telithromycin (Ketek®) is the first representative of a new class of antibacterial agents – the ketolides. The objective of this non-comparative, prospective, non-interventional postauthorization survey was to confirm the efficacy and safety of telithromycin in a large outpatient population with respiratory tract infections.

Before and after treatment, disease-specific core symptoms were assessed on 3-point scales (none, mild, severe). The clinical result of the therapy was rated as cured, improved, unchanged or deteriorated.

34 929 outpatients (median age 45 years, 48 % male, 51 % female) with community-acquired pneumonia (CAP, n = 5 640), acute exacerbation of chronic bronchitis (AECB, n = 9 957), acute bacterial sinusitis (n = 12 860) or tonsillitis/pharyngitis (n = 8 337) were treated with telithromycin 800 mg once daily. Median duration of treatment with telithromycin was 7 days for CAP (1st percentile: 1 day, 99th percentile: 16 days) and 5 days for AECB (1st percentile: 1 day, 99th percentile: 15 days), acute bacterial sinusitis, and tonsillitis/pharyngitis (1st percentile: 1 day, 99th percentile: 13 days, each).

A clear improvement of each core symptom (e. g. localized pain, redness, swelling, purulent sputum, breath sounds, headache or swelling of lymph nodes) was observed for each indication (p = 0.001 each). The clinical result was assessed in 34 211 patients; overall, 98.4 % were cured or improved (CAP 98.3 %, AECB 98.2 %, acute sinusitis 98.5 %, tonsillitis/pharyngitis 98.5 %).

Adverse drug reactions were reported in 1.85 % of the patients. Most frequently observed adverse drug reactions were gastrointestinal disorders (1.23 %) and nervous system disorders (0.33 %, e. g. dizziness, headache or somnolence). Serious adverse drug reactions were observed in 32 patients (0.09 %). They were mostly gastrointestinal, eye or nervous system disorders.

The results of this non-comparative prospective non-interventional survey support the efficacy and safety of telithromycin in the treatment of community-acquired respiratory tract infections.

Keywords: Telithromycin, respiratory tract infection, outpatient

Chemother J 2005;14:178–81.



Nachruf
Hans Knothe, Dreieich


PEG-Nachrichten
24th International Congress of Chemotherapy, Manila (Philippines), 4.–6. 6. 2005
Das 9. Symposium „Harnwegsinfektionen“ beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit pathogenetischen Erkenntnissen und Behandlungsstrategien biofilmgetriggerter Infektionen sowie mit Fragen der Diagnostik, Therapie und Verlaufseinschätzung von Harnwegsinfektionen.


Aufruf zur Mitarbeit


In Stockholm hat nun das Europäische Zentrum für die Prävention und Bekämpfung von Seuchen („European Centre for Disease Prevention and Control“, ECDC) offiziell seine Arbeit aufgenommen. Das Zentrum soll die Überwachung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten europaweit strukturieren und überwachen.




Die Herausgeber des Chemotherapie Journals Fritz H. Kayser und Pramod Shah